Männerachter des HRK und Oliver Müller von den Kurpfälzern Gleitschirmfliegern wagten Rekordversuch:

Dreharbeiten mit Postkartenblick

Einen attraktiveren Schauplatz als den Neckar zwischen Alter Brücke und Theodor-Heuss-Brücke hätte das Fernsehen des Bayerischen Rundfunks nicht finden können.

Der Postkartenblick mit Alter Brücke, Altstadt und Schloß, millionenfach von Heidelberg-Touristen aus aller Welt auf Zelluloid festgehalten, bildete die Kulisse für ein spektakuläres Ereignis:

Am Samstag, den 20. April 2002 wurden vom Bayerischen Rundfunk Dreharbeiten zur ARD Guinness Show der Rekorde in Heidelberg am Neckar durchgeführt. An diesem Tag traten zwei Mannschaften zu einem Gleitschirmrekord gegeneinander an. Dabei handelte es sich um ein Team aus Münster und ein Team aus Heidelberg.

Beide Teams bestanden aus einer Rudermannschaft und einem Gleitschirmpilot. Dabei schleppte jeweils ein Achter-Ruderboot einen Gleitschirmflieger. Ziel war es dabei, den Gleitschirmpiloten über eine gewisse Distanz auf dem Neckar flußabwärts zu schleppen, wobei am Ende der Pilot noch eine Punktlandung auf einem Ponton im Fluß vollbringen mußte. Gewonnen hatte das Team, bei dem der Pilot als erstes (Punkt) landete.

Kurpfälzer am Start

Oli

Mit von der Partie war ein langjähriges Mitglied der Kurpfälzer Gleitschirmflieger: Oliver Müller vertrat als Pilot die Fahnen von Heidelberg und behauptete sich als Rekordhalter gegen die Herausforderer vom Team aus Münster.

Oliver Müller ist in der Gleitschirmszene über die Region hinaus kein unbeschriebenes Blatt. Er ist ein langjähriger international erfahrener Flieger, der sich durch den Aufbau seiner Bekleidungs- und Ausrüstungsfirma "Air Affair" (www.air-affair.de) einen Namen gemacht hat.

Zur Zeit absolviert er auch gerade eine Ausbildung beim Deutschen Hängegleiterverband (DHV; www.dhv.de) zum Gleitschirm-Fluglehrer.

Pepe

Mit seinem Herausforderer hatte der Heidelberger allerdings eine große Nuß zu knacken. Es handelt sich dabei um keinen geringeren als Andreas Malecki, genannt Pepe. Er war im letzten Jahr Vizeweltmeister in der Teamwertung und ist Gewinner des German Cup 2001.

Als Zugmaschine diente Oli der Männer-Achter des Heidelberger Ruderklubs, mehrfacher Landesmeister von Baden-Württemberg und zweifacher Deutscher Sprintmeister. Andreas Malecki ließ sich vom Ruderachter des RV Münster ziehen.

Die Dreharbeiten fanden auf dem Neckar in Heidelberg zwischen der Alten Brücke und der Theodor-Heuss Brücke statt.

Gestartet und gelandet wurde auf schwimmenden, eigens für die Aufnahmen fertiggestellten Pontons (dem THW sei Dank). Damit beträgt die Schleppstrecke 1000 m. Der BR war mit einigen Mannschaften vertreten. Für die Außenmoderatorin sorgte die ehemalige Eisschnellauf-Weltmeisterin von 1997, Franziska Schenk.

Großer Anklang bei den Medien

Vor und während der Dreharbeiten fand das Ereignis Anklang in den regionalen und überregionalen Medien: SWR3, Radio Regenbogen, Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), Mannheimer-Morgen, Bild und nicht zuletzt das Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF). Im Vorfeld wurden unter anderem Interviews mit dem Piloten Oli während eines Tandemschlepps in der Luft durchgeführt . Aber auch Mitglieder unseres Vorstandes wurden vom lokalen Radio interviewt und im O-Ton gesendet.

Viele Helfer, um Heidelberg in das richtige Licht zu rücken

Für die Schaulustigen sicherlich nicht so wahrgenommen, aber für den Bayerischen Rundfunk war eine aufwendige Sache, um diesen Rekord vor der wunderschönen Kulisse Heidelbergs einzufangen. Insgesamt zwölf Kameras fingen die Aufnahmen für die ARD Sendung ein, zwei Kameras wurden sogar an motorisierten Gleitschirmen befestigt. Auf die Bilder vom Spektakel und von Heidelberg dürfen wir alle gespannt sein. Der Rundflug über Heidelberg war ebenfalls eine Premiere!

Das Technische Hilfswerk...

(THW) leistete ganze Arbeit: Insgesamt waren sie mit 110 Helfern unterwegs um die gesamte benötigte Infrastruktur zu liefern: Aufbau und Verankerung der Start- und Landeponton auf dem Neckar.

Und auch die Kurpfälzer Gleitschirmflieger leisteten Ihren Beitrag zum Gelingen des Rekordes: Die Helfer auf den Pontons wurden von unserem Verein gestellt. Über das eigene aufgebaute Kommunikationsnetz wurde die Regie des BR mit den sportlich relevanten Daten, wie z.B. Windsituationen and verschiedenen Punkten im Neckartal, beliefert und entsprechend beraten. Absperrungen für die Außenaufnahmen wurden von uns wahrgenommen. Und letztendlich sind es auch Kurpfälzer, die die heißen Bilder aus der Luft lieferten. Beide motorisierte Gleitschirmflieger sind Mitglieder. Im Vorfeld konnten wir auch den BR in vielen Gleitschirm und Luftaufnahmen betreffenden Bereichen beraten.

Der Wettergott hatte ein Einsehen

Nachdem die Dreharbeiten am 13. April abgesagt werden mußten - ein recht kräftiger Nordwind brachte in dem Ost-West verlaufenden und in Heidelberg auslaufenden Neckartal auf den Landepontons Rückenwind und bei den Landepontons umlaufende Winde - konnte trotz der widrigen Wetterumstände an diesem Samstag sämtliche Dreharbeiten durchgeführt werden. Vormittags wurden auf den Neckarwiesen die Aufnahmen für die Außenmoderation getätigt: Michael Wagner (der Glückliche) von der Flugschule Sky-Team (www.sky-team.de) vollzog mit Franziska Schenk unter anderem drei Tandem-Schlepps an der Winde, um für den BR die geeigneten Bilder zu liefern.

Anschließend wurde der Rekord angegangen. Wegen Wetterverschlechterung - die angekündigten Schauer näherten sich Heidelberg - sah es zunächst nicht danach aus, als ob der Rekord geflogen werden könnte. Nach einem Schauer allerdings, fand das Orga-Team um André Duck vom BR und Michael Wagner vom Sky-Team für eine kurze Zeit optimale Bedingungen und verstand es auch diese zu nutzen. Um zehn vor 15 Uhr ging dann alles sehr schnell.

ein dramatisches Rennen

Oli von den Kurpfälzern gelang es als erster in die "Luft" zu kommen, ca 3. Sekunden vor Pepe. Bei beiden Teilnehmern konnten somit gelungene Starts beobachtet werden. Durch das gedehnte Latexseil genügte den Piloten nach dem dynamischen Aufziehen nur ein Schritt auf dem Ponton um anzuheben.

Das geübte Auge konnte dann eine unterschiedliche Taktik der beiden Piloten festellen: Oli versuchte maximale Höhe zu gewinnen um sich mit "Minimalfahrt" in Richtung Landeponton ziehen zu lassen. Sein Ziel hieß vor allem "oben bleiben". Pepe dagegen ging mehr auf Geschwindigkeit und stieg in den Beschleuniger. Sein Zugboot konnte daher zwar nach ca. 400 m Wegstrecke eine halbe Bootslänge Vorsprung herausholen, mußte allerdings dieser Geschwindigkeit Tribut zollen und konnte den für einen Gleitschirm notwendigen Auftrieb nicht mehr erhalten. Letzendlich waren die Münsteraner Ruderer zu schnell ausgepowert. Pepe mußte nach ca. 500 m "wassern" - Bilder, auf die wir alle gespannt sein dürfen.

Der Kurpfälzer ließ sich von dieser Wasserung nicht beindrucken oder gar aus dem Konzept bringen, gezogen vom deutschen Sprintmeister des Heidelberger Ruderklubs- die hier wieder eine wundervolle und beeindruckende Vorstellung lieferte - spulte er sein Programm ab, klinkt ca. 150 m vor dem Ziel aus und vollbrachte die geforderte Punktlandung.

Dabei kam er mit soviel Sicherheitshöhe an, daß er sogar mit kleinen Wings-Over Höhe abbauen mußte. Nach der Landung war entsprechender Jubel bei den Schaulustigen und Anhängern zu vernehmen und selten sah man Oli solche Freudentänze vollführen.

3 Minuten 50 Sekunden und vier Hundertstel

betrug die Zeit, die nun in das Guinness Buch eingetragen wird. "Chapeau" vor der Leistung von Oli und den Ruderachter des HRK.

Bei der anschließenden Überreichung des Pokals durch Fransziska Schenk, wurde allerdings auch Oli von seinen Zugpferden zum "Wassern" gezwungen. Das wird ihm zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht viel ausgemacht haben.

Fazit:

Die Kurpfälzer Gleitschirmflieger sind stolz nun einen Weltrekordler im Gleitschirm in ihren Reihen zu haben!